Justizmord an 2 französischen Zivilarbeitern

Am 5. März 1944 werden der 22-jährige Hippolyte Armanet aus Lyon sowie der 33-jährige Marcel   Bretheau aus La Chapelle-Encherie 70 km westlich von Orleans  auf dem Haunstetter Schießplatz wegen Plünderung erschossen.

Armanet hatte seit Mai 1943 als französischer Zivilarbeiter bei der MAN gearbeitet und in der Wolfgangstraße 41 in einem MAN-Arbeiterheim gewohnt, Bretheau hatte seit Januar 1943 bei einer Außenstelle der Zahnräderfabrik Renk am Jakobsplatz gearbeitet und am Oberen Graben 1 („Gasthof Fischzug Petri“, damals wohl Unterkunft für ausländische Zivilarbeiter) gewohnt.

Beide wohnten seit Anfang 1944 im Evangelischen Vereinsheim im Äußeren Pfaffengäßchen 14.

Dort überlebten sie die Bombennacht vom 25./26. Februar 1944 in einem Schutzraum. Bei Tagesanbruch retteten sie eine Frau aus einem brennenden Haus und brachten sie in Sicherheit.

Im Anschluss nahmen sie wohl Gegenstände an sich, die sie vor und in den beschädigten Häusern fanden, darunter auch eine Fotoausrüstung, einen Goldring sowie einen silbernen Siegelring, vor allem aber Kleidungsstücke.

Als sie 3 Tage später im Hauptbahnhof auf einen Zug Richtung Westen warten, kommen sie mit einer jungen Französin ins Gespräch. Einem dort ebenfalls wartenden Unteroffizier fallen sie auf, weil sie ihre Koffer umpacken. Er schöpft Verdacht und alarmiert die Bahnpolizei, die daraufhin alle drei wegen des Verdachts auf Plünderei festnimmt und zum Polizeipäsidium an der Prinzregentenstraße bringt. Dort wird ihre Anzeige aufgenommen und die drei Verdächtigen werden von Gestapo-Beamten vernommen. Dabei räumen Bretheau und Armanet ein, Gegenstände an sich genommen zu haben, ‚Da sie der Meinung gewesen seien, dass man aus zerstörten Häusern ohne Weiteres etwas wegnehmen könne, weil die Sachen ja sonst auch verbrannt bzw. zerstört worden wären. Dass darauf die Todesstrafe steht, hätten sie nicht gewusst. 

Diese Aussagen genügen dem Augsburger Oberstaatsanwalt Graehl, um beide wegen Plünderung anzuklagen. Nach § 1 der „Volksschädlings­ordnung“ von 1939 steht darauf die Todesstrafe. Bereits 2 Tage später findet dann im Gebäude der Gestapo die Verhandlung statt. Den Vorsitz hat der extra aus München angereiste Oberlandesgerichtsrat Michael Schwingen­schlögl.

Nach kurzem Prozess werden Armanet und Bretheau wegen Plünderns zum Tode verurteilt. Besonders negativ wird dabei bemerkt, dass sie als Ausländer das ihnen gewährte Gastrecht in schmählichster Weise missbraucht hätten und dass sie sich nach dem Terrorangriff in der brennenden Stadt herumgetrieben und geplündert hätten.

Das Urteil muss nun noch von Reichsjustizministerium bestätigt werden. In einem Anschreiben befürwortet der Augsburger Oberstaatsanwalt Dr. Hegel die Vollstreckung des Urteils, da „der persönliche Eindruck beider Angeklagten ungünstig“ sei. 

Am 4. März ein von der Gestapo München weitergeleitetes Fernschreiben aus Berlin ein, in dem der Reichsminister der Justiz Dr. Thierack die Vollstreckung des Urteils durch Erschießen anordnet.

Als Zeit und Ort der Hinrichtung wird nun der 5. März, 9 Uhr am Schießplatz Haunstetten festgesetzt. Die Erschießung soll jeweils durch 5 Ordnungspolizisten erfolgen. Vollstreckungsleiter ist Oberstaatsanwalt Dr. Hegel. Als dieser am Morgen des 5. März in einem vom Polizeipräsidium zur Verfügung gestellten Kraftfahrzeug auf dem Schießplatz eintrifft, befinden sich die beiden Verurteilten bereits vor Ort und die Richtstätte ist vorbereitet. Um 8.55 Uhr wird das Urteil verlesen und übersetzt, der Vollzugsauftrag wird um 8.57 gegeben, um 9 Uhr stellt der anwesende Arzt den Tod der beiden Verurteilten fest. Sie werden auf dem Westfriedhof bestattet.

 

Quelle: Staatsarchiv München, Staatsanwaltschaften_13197

Oktober 2026, Robert Dürr/ Reinhold Forster


   

Seit Oktober 2026 gibt es auf dem Augsburger Westfriedhof einen Gedenkpfad zu den verschiedenen Gedenkorten, die u.a. an Opfer Ersten und Zweiten Weltkriegs und hier vor allem auch an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

Das Projekt ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Maria-Ward-Gymnasium, der Bürgeraktion Pfersee, der geschichtsagentur augsburg sowie dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, auf dessen Website sich auch die Stationen des Gedenkpfades finden: Lern- und Gedenkort Westfriedhof

Vor Ort lassen sich die Stationen durch QR-Codes abrufen, so auch an der Gedenkstätte für die KZ-Opfer sowie auch an Feld 9 (ZwangsarbeiterInnen und Displaced Persons) und Feld 6 (verstorbene Kinder von Zwangsarbeiterinnen).

    

Anmerkungen zu 90 Jahre Botanischer Garten

Die Eröffnung des Botanischen Gartens vor 90 Jahren kann nicht isoliert gesehen werden, sondern muss in den Kontext der NS-Zeit eingeordnet werden.

1936 wird die Stadtgärtnerei im Wittelsbacher Park an den Siebentischpark verlegt und durch einen attraktiven Schaugarten, dem späteren Botanischen Garten, ergänzt. Eine besondere Attraktion stellen dabei das Viktoria-Regia- und das Palmenhaus dar, die bis heute vor allem im Winter das Interesse der Besucher auf sich ziehen. Beide Gewächshäuser bieten ein Stück Exotik, im Kontext der NS-Ideologie wohl aber auch die Erinnerung an verloren gegangene Kolonien. Die Befriedigung des kolonialen Fernwehs im Botanischen Garten steht dabei in seltsamem Kontrast zum gleichzeitig eingerichteten Tiergarten in unmittelbarer Nachbarschaft, der dezidiert als „deutscher Tiergarten“ konzipiert war, in dem vor allem heimische Tiere unter natürlichen Lebensbedingungen gezeigt werden sollten.

Beide – sowohl Botanischer Garten als auch Tiergarten – sollten eine „neue Stätte der Erholung für die Augsburger Bevölkerung“ darstellen, wie es in der NS-Propagandaschrift „Fünf Jahre Aufbau der Stadt Augsburg“ aus dem Jahr 1938 heißt. Ausgeschlossen waren aber die jüdischen BürgerInnen.

Während im Südosten der Stadt Orte der Erholung und des Freizeitvergnügens angelegt werden, ist im Westen der Stadt ein gigantischer Kasernenkomplex entstanden, der von der Neusäßer Stadtgrenze über Kriegshaber und Pfersee bis zur Leitershofer Stadtgrenze reicht: Hier wurden allein sieben Kasernen errichtet sowie auch das Heeresverpflegungsamt. Diese militärische Aufrüstung weist auf eine eher wenig erholsame Zukunft, ebenso wie das ausgedehnte Werksgelände der Bayerischen Flugzeugwerke im Süden der Stadt, wo unter anderem eines der erfolgreichsten deutschen Jagdflugzeuge produziert wird. Die fertiggestellten Maschinen dürften auch über Tiergarten und Botanischen Garten geflogen sein, durchaus auch zum Stolz der Besucher.

Doch während es in der Stadt und im Reich noch friedlich zugeht, sprechen in Spanien ab Juli 1936 bereits die Waffen: Der Spanische Bürgerkrieg wird zum Vorkrieg zwischen Faschismus und Kommunismus, vor allem aber auch zum Testfeld neuer Waffen und Kriegsstrategien. Eine besondere Rolle spielt dabei auch die „Legion Condor“, eine deutsche Luftwaffeneinheit, der auch die Bf 109, das in Augsburg konstruierte und produzierte Jagdflugzeug, angehört. Bei der Bombardierung von Guernica am 26. April 1937 lösten deutsche Flugzeuge Angst und Panik aus, so etwa in Guernica am 26. April 1937.

Sieht man diesen Zusammenhang, dann ist die Eröffnung von Tiergarten und Botanischem Garten auch ein Ablenkungsmanöver von der allgegenwärtigen Kriegsvorbereitung, die dann drei Jahre später zum Krieg führt, an dessen Ende die weitgehende Zerstörung der Stadt steht und in der Stadtgärtnerei vor allem Nutzpflanzen angebaut wurden.